Eine Woche LANDDRANG-Residenz in Georgenthal, ein 2,30 m hoher Fichtenstupf und ein Konzept, das sich unterwegs verändert hat.
Als ich am 14. September nach Georgenthal kam, hatte ich einen klaren Plan im Gepäck. Mein Konzept trug den Titel „Stimmen des Waldes“ und beschäftigte sich mit den Folgen des Klimawandels für den Wald, dem Borkenkäfer dem, was er hinterlässt, und mit dem, was daraus wieder wächst. Die Arbeiten sollten meine Werke aus dem vergangenen Jahr fortführen. Direkt neben meinen Skulpturen vom Landrang 2025.

Dann kam es anders. Die Organisatoren des LANDDRANG-Festivals hatten meine Idee eines Skulpturenpfads aufgegriffen, die ich im letzten Jahr angestoßen hatte, und daraus eine ausgewiesene Runde von rund fünf Kilometern gemacht. Das freut mich sehr, bedeutete aber auch, dass ich mir relativ spontan einen neuen Arbeitsplatz suchen musste.

Gefunden habe ich einen wunderschönen Standort mit weitem Blick. Und einen deutlich dickeren Stamm, als ich ihn eingeplant hatte. Beides zusammen machte schnell klar: Das geplante Thema passt hier nicht mehr. Dieser Platz erzählt eine andere Geschichte. Die eines Wanderers der den Blick auf den Rennsteig und den Inselsberg richtet.

Was aus dem Stamm wurde
Entstanden ist in sechs Tagen „Der Wanderer – mit Blick auf den Inselsberg“, 2,30 Meter hoch, gearbeitet aus einem Fichtenstumpf, der noch direkt vor Ort verwurzelt ist. Die Figur schaut in Richtung Rennsteig und Großer Inselsberg. Diesen traditionsreichen Ort für die Geschichte und Wanderer des Thüringer Waldes.

Der Anfang der Woche gehörte dem Ausblocken. Dieser massive Stamm hat mich einiges an Kraft gekostet, vor allem aber auch Augenmaß: Aus so viel Holz eine schlanke, aufrechte Figur herauszuarbeiten, heißt vor allem, früh zu wissen, wo und wie sie steht. Ist der erste grobe Schnitt gesetzt, gibt es kein Zurück.

Das Wetter machte es nicht einfacher. Zu Beginn der Woche regnete es immer wieder, ich habe unter einem Pavillon gearbeitet. Nach der Kettensäge kam das feine Werkzeug, zum Schluss die Ausarbeitung von Gesicht, Jacke und Stiefeln. Den Abschluss bildet wie immer mein Bio-Wachs, das die Maserung herausholt und die Figur wetterfest macht. Der Wanderer wird dort noch viele Jahre stehen.

Begegnungen an der Arbeitsstelle
Was diese Woche wieder für mich besonders gemacht hat, waren die Menschen. In diesem Jahr kamen noch einmal deutlich mehr Wandernde und Spaziergängerinnen vorbei als beim letzten Mal. Viele blieben stehen, fragten nach, wollten wissen, wie man mit einer Kettensäge ein Gesicht schnitzt. So gab es die ganze Woche über immer wieder kleine Einführungen in mein Arbeiten – zwischen Sägespänen, schöner Natur und der Skulptur.

Auch Pressevertreterinnen und -vertreter schauten mehrfach vorbei. Die Berichte dazu verlinke ich unten.

Mein Dank geht an die Organisatoren des LANDDRANG-Projektes und des Landfestivals für die Einladung und das Vertrauen – und an den Bauhof der Landgemeinde Georgenthal, der mir den Hänger mit dem Werkzeug in den Wald gefahren hat. Auch für das unkomplizierte bereitstellen des Podestes für die Arbeit an der hohen Skulptur.
Der Skulpturenpfad wächst weiter. Wer die Runde geht, findet jetzt auch den Wanderer. Hier findest du übrigens meine Skulptur auf Komoot.
Presseberichte:
Gotha Aktuell

















